• 
Selbsthilfegruppen vor Ort für

    • Abhängige

    • Angehörige

    • Familien

    • Umfeld

Seminare für

Suchtprävention

Betriebliche Suchthilfe

Trinken Sie halt weniger
Neue Leitlinien zur Behandlung von Menschen mit Alkoholmissbrauch und -abhängigkeit sorgen bei den Freundeskreisen für heftige Diskussionen. Abstinenz bleibt das Ziel der Mitglieder.

Gut 100 Gruppenleiter der Freundeskreise für Suchtkrankenhilfe aus Württemberg diskutierten am Wochenende angeregt mit der Geschäftsführerin der Zieglerschen Suchthilfe, Dr. Ursula Fennen, über moderaten Alkoholkonsum bei Suchtkrankheit.

Grund dafür sind die neuen S3-Leitlinien, entwickelt und herausgegeben von der Deutschen Gesellschaft für Suchtforschung und Suchttherapie. Danach wird die Alkoholkrankheit im Fachjargon zukünftig als „Substanzgebrauchsstörung leichten, mittleren oder schweren Grades“ bezeichnet. Verändert hat sich aber nichts: Missbrauch steht am Anfang. Abhängigkeit am Ende.

In Kliniken und Arztpraxen wird die Erkrankung oftmals nicht erkannt und adäquat behandelt. „Trinken Sie halt weniger“, ist die häufige Bemerkung von Hausärzten. Die Idee und Hoffnung dahinter: Wenn es nicht so abschreckend klingt – „Sie müssen abstinent leben“ – sind Betroffene eher motivierbar, über ihr Konsumverhalten selbstkritisch nachzudenken. Doch die Gefahr dabei: Auch wer sechs Wochen lang keinen Alkohol trinkt, kann trotzdem gefährdet oder schon abhängig sein. Es ist eine Frage des Krankheitsbildes.
„Mit den neuen Leitlinien sollen Gefährdete früher in das Hilfesystem gebracht und einer angemessenen Behandlung zugeführt werden“, erklärte Dr. Fennen in ihrem Referat. Sie sprach sich jedoch für eine lebenslange Abstinenz für die Menschen aus, die an einer Sucht erkrankt sind. Nur dann sei es möglich, zu gesunden und wieder ein normales Leben zu führen. Alles andere sei ein Herumbasteln an Symptomen, jedoch keine Behebung der Krankheitsursachen.

Häufig liegt die Ursache für das „Saufen“ darin, dass Menschen die Balance zu sich und ihrer Umwelt verloren haben, weil sie – in welchem Lebensalter auch immer – durch ein schlimmes Erlebnis aus der Bahn geworfen wurden. Um die Lebensbalance neu zu gewinnen, gilt es zu lernen, mit seiner Geschichte, seinem Erleben und auch Gefühlsleben gut umzugehen. Das kann mit psychotherapeutischer Hilfe und der Entscheidung zur Abstinenz gelingen. Laut Dr. Fennen ist dies jedoch nicht möglich, wenn abends, nach einer psychotherapeutischen Sitzung, wieder getrunken und damit alles relativiert werde.

„Abhängige können entgegen aller heimlichen Hoffnungen nicht moderat trinken“, so lautet das Ergebnis für die Freundeskreisler. Sie sprechen aus eigener Erfahrung und lehnen den Genuss von Alkohol auch da ab, wo ein aufkommender Saufdruck durch die Beigabe von Tabletten reduziert werden soll. Vielmehr gelte es, die Ursachen der Suchterkrankung in der persönlichen Lebensgeschichte heraus zu finden und zu korrigieren. Ebenso sei zu akzeptieren, dass beim ersten Schluck das Suchtgedächtnis wieder aktiviert wird. Einigkeit besteht darin, dass es durchaus ein zufriedenes Leben in der Abstinenz geben kann. Viele Freundeskreisler haben diesen Weg gefunden.

Die neuen S3-Leitlinien fassen den aktuellen Kenntnisstand um Diagnose und Behandlung von schädlichem Alkohol- und Tabakkonsum zusammen. Mehr als 50 Fachgesellschaften, Berufsverbände, Gesundheitsorganisationen, Suchtexperten, Selbsthilfe- und Angehörigenverbände waren in die vierjährige Entwicklung eingebunden.

Alkohol –und Tabakabhängigkeit sind in Deutschland die schwerwiegendsten Suchterkrankungen. Jedes Jahr sterben etwa 74.000 Menschen an den Folgen von Alkoholmissbrauch. Rund 110.000 Todesfälle sind auf das Rauchen zurückzuführen.

Behandlungsansätze für Menschen mit alkoholbezogenen Störungen sind breit gefächert. Oft fehlt es aber an der nötigen Abstimmung zwischen den Bereichen der Akutmedizin und Rehabilitation. Hinzu kommen Wissenslücken in Bezug auf eine moderne Suchttherapie, denn auch heute noch wird vielfach bezweifelt, dass Alkoholabhängigkeit eine Krankheit ist.

 

 



Freundeskreise für Suchtkrankenhilfe Landesverband Württemberg e.V. • Hindenburgstr. 19 a • 89150 Laichingen • Tel. 07333 – 3778 • Fax 07333 – 21626 • E-Mail